Dienstag, 2. November 2010

Die Oper kocht - Handgemachte Bandnudeln mit Kürbis (Jonas Kaufmann)



Kürbis!

Ein köstliches und vielseitiges Gemüse, ich denke da nur an Kürbiskuchen, gegrillte Kürbisscheiben, Kürbisgulasch, Kürbissuppe mild oder indisch scharf, Kürbis-Kartoffel-Gratin….da gibt es eine Unmenge leckerer Gerichte….

die keiner mag außer mir!

Als ich meinem lieben Gatten nachrief, er solle doch vom Markt einen Hokkaido-Kürbis mitbringen, machte dieser auf dem Absatz kehrt, sah mir tief und ernst ins Auge und fragte:
“Warum? Wofür brauchst Du einen Kürbis?“
„DU hast mir dieses Kochbuch geschenkt!“
„Muss es ausgerechnet DIESES Gericht sein?“

Wir hatten uns verstanden!

Selbstverständlich musste es dieses Gericht sein, eines der wenigen vegetarischen Rezepte in diesem Buch, noch dazu von Jonas Kaufmann.

Mein Mann machte einen verzweifelten Versuch, indem er heimlich eine Flasche Sekt in den Kühlschrank stellte und dann vorschlug, doch bei A wie Alagna anzufangen, dessen Aperitif-Rezept sehe doch sehr ansprechend aus.

Doch ich blieb eisern: die Stunde des Kürbisses hatte geschlagen.

Als vielbeschäftigte Frau muss man natürlich den Mut zur Lücke pflegen, die hausgemachten Nudeln habe ich daher durch wirklich hochwertige Nudeln aus dem Supermarkt ersetzt.

Und beherzt griff ich zum Messer, schnell war der Kürbis geschält, in Scheiben geschnitten, mit Salbeiblatt versehen und gesalzen in Öl/ Butter angebraten…..und dann wartete ich.
Und wartete.
Darauf, dass der Kürbis, wie versprochen, zerfallen möge.
Was er aber nicht tat.
Ich hatte meinen Gatten schon im Verdacht, mir einen Gipskürbis untergejubelt zu haben.
Und als ich schon den weiteren Verlauf des Abends plante (Nudeln mit Butter und Salbei für die liebe Familie, während mein Gatte seiner frustrierten Ehefrau grinsend einen Champagnercocktail mischt) gab der Kürbis nach.

Na endlich!

Nun also Mascarpone, den geriebenen Parmesan in großen Mengen (ich liiiiiebe Parmesan), Kräuter, noch etwas Salz (zu wenig im Rezept) in einer Schüssel mischen, den zerdrückten Kürbis unterheben, schnell auf die Nudeln verteilen (Soße ist nur lauwarm), noch mal Parmesan drüben, und ab auf den Tisch.

Ich persönlich fand das Gericht eigentlich lecker, mild und süßlich durch den Kürbis, fein gewürzt, allerdings sehr gehaltvoll (ich bezweifle, dass Herr Kaufmann diese Mascarpone-Soße häufig isst, da hätte er doch Probleme mit seiner schlanken Linie).

Jedoch während ich still den Harmonien dieser Geschmackskomposition nachlauschte, spielten sich am Küchentisch die reinsten Verismo-Dramen ab:

Während Kind Nr. 1 als Bösewicht mit grimmem Blick das Besteck umklammerte („Soll ich DAS essen?“) brach Kind Nr. 3 herzzerreißend in Tränen aus und sang das beliebte Kinder-Solo „Ich maaaag daaaas niiiicht!“. Kind Nr. 2 lächelte tapfer als Kürbis-Micaela, die sich für ihr Mütterlein aufopfert, und aß seinen Teller leer. Auf meine Frage „Magst Du noch mehr?“ setzte es dann aber den entsetzten Kürbis-Liu-Blick auf, und ich hatte schon Bedenken, dass es sich ins stumpfe Kindermesser stürzen würde.

Mein Gatte, ganz Dirigent der Lage, meinte diplomatisch, mit einigen Gläsern Champagnercocktail ließe sich dieses Gericht sicher gut runterspülen.

Dank meiner heiteren Gelassenheit, ganz ohne Aperitif, folgte nun nicht die Wahnsinnsarie, sondern Butterbrote schmieren in piano.

Fazit:
Ein interessantes, wenn auch kalorienlastiges Gericht für einen romantischen Abend zu zweit:
nur der Kürbisfreund und seine OpernCDs.

Kommentare:

Lucy hat gesagt…

Na, manche kuenstlerische Triumphe haben eben keinen Erfolg mit dem Publikum. Schade aber. Koennten Sie sagen so ungefaehr wie lange es gedauert hat, bis der Kuerbis fertig wurde?

edda hat gesagt…

liebe Lucy, mein Kürbis hat wirklich außergewöhnlich lange gebraucht. normalerweise geht das ziemlich schnell, in der geschlossenen Pfanne etwa halb so lange wie Kartoffeln brauchen würden.

Marion hat gesagt…

Sehr amüsant und nachvollziehbar. Die einzige Person, die von mir bekocht wird würde wie Kind Nr. 3 reagieren, trotzdem werde ich es irgendwann mal ausprobieren. Die Butterbrote kann sie sich dann aber selbst schmieren.
Das Buch scheint in Deutschland schwer erhältlich, deshalb bekommt meine Tochter noch eine Gnadenfrist bis ich mir das Buch in Wien kaufen kann.

edda hat gesagt…

hallo, Marion, unsere Universitätsbuchhandlung hatte das Buch innerhalb 2 Tagen nach Bestellung. Überraschend schnell.

Anonym hat gesagt…

...und für alle weiteren Leser dieser vergnüglichen Kolumne darf ich anfügen, daß der Kürbis ganz leicht zu bearbeiten ist, wenn man ihn nur halbiert und 20 min in den Backofen schiebt (180). Dann ist er außerdem süßer und aromatischer und man kann die Schale dranlassen. Und noch ein Tipp: Kürbisverweigerer können bekehrt werden, wenn man ihnen auf gemischtem Blattsalat in feinem Olivenöl gewendete und mit Chiliflocken, Fenchelsamen und Salz bestreute und gebackene Butternut-Kürbiswürfel vorsetzt. Ruben, der neue Polenzani-Fan