Montag, 24. September 2012

Frederic Morton: Die Rothschilds - Porträt einer Familie

Nach Besichtigung der phantastisch schönen Rothschild-Villa in Cap Ferrat (Bild unten) wollte ich mehr wissen über diese unglaublich reiche Familie. Zum Glück hatte meine Mutter auf dem Flohmarkt das Buch von Frederic Morton in einer alten Taschenbuchausgabe entdeckt. 
Der Autor berichtet ausführlich, aber nicht überfrachtet von den Anfängen des Mayer Amschel Rothschild in der Frankfurter Judengasse, wo er in der Enge des Hauses "Zur Hinterpfann" mit seiner Frau Gudula zehn Kinder großzog (zehn weitere starben vor Erreichen des Erwachsenenalters), beharrlich und mit Charme seine Kontakte zum Hof des jungen Fürsten Wilhelm von Hessen-Hanau pflegte und ausbaute. Schließlich schickte er seine fünf Söhne in die europäischen Metropolen Wien, Paris, London, Frankfurt und Neapel, wo sie jeweils ein Bankhaus gründeten, dabei aber die Belange der Familie nie aus den Augen verloren.
Die mit Anekdoten gespickten Schilderungen der verschiedenen Charaktere und ihrer Begabungen, die Geschichten über Minister und gekrönte Häupter, der Einblick in das damalige Börsengeschehen und die Entwicklung der Familie über die Generationen ist sehr gut recherchiert, dabei aber nie mit Fachwissen überladen, und mit Respekt sowie feinem Humor geschrieben. Wer einmal auf unterhaltsame Weise Einblick erhalten möchte in die europäische Geschichte und die großen Zusammenhänge, hat hier das richtige Buch gefunden. 

Samstag, 16. Juni 2012

Nick Hornby: All you can read

Bücher, die ich kaufe - Bücher, die ich lese

Da schreibt also ein berühmter Schriftsteller über sein Leseverhalten?
Nein, dieses Buch ist eine Sammlung von Kolumnen, die Nick Hornby für die Zeitschrift The Believer schreibt.

Die Redaktion des Believer charakterisiert das Heft so:
The Believer is a monthly magazine where length is no object.
There are book reviews that are not necessarily timely,
and that are very often very long.
There are interviews that are also very long.
We will focus on writers and books we like.
We will give people and books the benefit of the doubt.
The working title of this magazine was The Optimist.
Diese Sätze machen deutlich, dass Selbstironie ein Thema ist. Und so wundert man sich auch nicht über den Running Gag in Hornbys Texten, bei dem immer wieder auf die schreckliche Redaktion und die spießigen Mitarbeiter hingewiesen wird.

Die Buchkritiken sind witzig, skurril (nicht nur die Bücher, die besprochen werden, auch Hornbys Schreibstil) manchmal wirr, ehrlich und alles andere als ausführlich.
Wer nun wirklich eine Inhaltsangabe oder ausführlich Besprechung der Bücher erwartet, liegt hier falsch. Hornby will nichts vorwegnehmen, sondern beschreibt in einigen Sätzen, wie, ob und warum ihm die Lektüre eines Buchen zugesagt hat (und manchmal auch, warum gerade nicht).
Auch der gute alte Reich-Ranicki-Satz "Es hat mich gelangweilt" kommt hier zum Einsatz.
Hornby lässt sich nicht beeindrucken von Werbung, Meinung bekannter Literaturkritiker oder Bekanntheitsgrad des Buches. Und er hält auch mit seiner Begeisterung nicht hinterm Berg, auch wenn diese manchmal etwas sehr enthusiastisch ausfällt, wie bei dem Buch "Gilead" von Marilynne Robinson, einer Geschichte über einen sterbenden Pastor:

Gilead hat mich zu einem weiseren  und besseren Menschen gemacht. Übrigens schreibe ich diese Worte in einem theologischen Kolleg irgendwo in England, wo ich die nächsten paar Jahre verbringen werde. Ich werde meine Kinder, meine Partnerin und meinen Fußballverein vermissen, aber wenn Gott bei dir anklopft, schlägst du ihm nicht die Tür ins Gesicht, oder? Das alles zeigt nur wieder mal, dass man nie wissen kann, was ein Roman mit einem macht!
Ich für meinen Fall habe mir die Literaturliste am Ende des Buches kopiert, muss doch mal nachsehen, was genau Nick Hornby da gelesen hat....


Sonntag, 10. Juni 2012


Vielleicht musst Du auch beruflich viel lesen und reden, dann ist es eine Erholung, einmal Stimme und Augen schonen zu können und einfach selbst einmal zuzuhören. 


Die Hörbuch-CD gibt einen Überblick über die Entwicklung der japanischen Kultur, der japanischen Sprache und Kunst. 
Klingt viel für nur eine CD, nicht wahr? 
Ist es auch, und mehr als ein kleiner Einblick kann es auch nicht sein. 
Soll es auch nicht. 
Dieser kleine Einblick ist nämlich so gestaltet, dass er Interesse weckt, sich tiefer mit den verschiedenen Aspekten von Kultur und Geschichte zu beschäftigen. Jeder Beitrag ist mit charakteristischer Musik ergänzt, der Sprecher Rolf Becker erzählt dezent und ruhig, er schafft es, dass die Zitate aus Literatur und Philosophie wirklich berühren. 


Und natürlich lernt man einiges, zum Beispiel, warum die todessehnsüchtigen Piloten im 2. Weltkrieg Kamikaze heißen. 
Kleiner Tipp: wer gerne klugscheißt, bekommt hier reichlich Futter.
Das gilt auch für die anderen CDs aus dieser Reihe!
Spaß beiseite: diese CD ist einfach niveauvolle Unterhaltung und tut gut. 

Mittwoch, 30. Mai 2012

Achim Lucchesi: Die Bombe is´eh im Koffer

Im Klappentext ist zu lesen, dass der Autor Achim Lucchesi gelernter Bäcker und Konditor ist. Da schau, was in den Menschen steckt. Ist schon lange her, dass ich so ein amüsantes und gleichzeitig informatives Buch gelesen habe. Auch der Schreibstil macht Lust auf mehr.

Achim Lucchesi beschreibt sehr anschaulich den beruflichen Weg hin zum Luftassistenten (ein Kapitel, das die Angst vor der Arbeitslosigkeit nimmt, und das möchte ich jetzt nicht ironisch verstanden wissen. Immer offen bleiben für Neues!).

Das Benehmen von Otto Normalverbraucher, VIP und wirklich wichtiger Persönlichkeit am Kontrollschalter, die teilweise nicht logisch nachvollziehbaren Vorschriften, die Stresssituationen für das Personal, aber auch die bemerkenswerten Begegnungen werden unterhaltsam, manchmal auch berührend geschildert.

Wie zum Beispiel der Inder, der seinen Lieben zuhause gerne Apfelsaft von der Deutschland-Reise mitbringen möchte, eine Köstlichkeit, die es in Indien nicht gibt. 30 Liter Apfelsaft im Handgepäck, und erlaubt sind nur 1 Liter, in 100 Milliliter-Gefäßen abgepackt:

"Ich kann es Ihnen nicht erlauben", sagte ich und zeigte auf unseren Müllcontainer. Aber noch während ich redete, sah ich, wie die Tränen in seinen Augen aufstiegen.
"Sorry", sagte er, "so sorry". Dabei hatte er doch gar nichts angestellt. "But can I...can I ...drink? Please?"
Also machten wir eine Ausnahme.
Natürlich konnten wir ihm seinen Saft nicht lassen. Aber wir stellten ihm einen kleinen Stuhl hin, ans Ende des Personenkontrollbereichs, in unserem Blickfeld. Und ich sah, wie er sich zu seinen dreißig Litern Apfelsaft setzte, den ersten Karton öffnete und an den Mund hob.
Ich schwöre, ich habe noch nie in meinem Leben jemanden mit einem solchen Genuss Rotwein, Champagner, Cognac trinken sehen wie diesen kleinen Inder seinen Apfelsaft. Es war, als schluckte er das reine Gold, eine Offenbarung, flüssiges Glück.
 Nein, er trinkt nicht die 30 Liter aus, aber wie Lucchesi diesen sinnlichen Genuss beschreibt, und später den zärtlichen Abschied des Inders von seinen Saftpackungen, die er im Müll (!) zurücklassen muss, das hat mich sehr berührt. Lässt auch das eigene Konsumverhalten nochmal überdenken, was genieße ich?

Es gibt auch viele Stellen, an denen man herzhaft lachen kann. Und sein die Situation auch noch so bizarr, bleibt doch jede Episode glaubwürdig.

Klare Leseempfehlung.


Montag, 13. Februar 2012

Stieg Larsson: Verblendung


Ja, Werbung kann zu Verblendung führen. Auch bei mir.
Das Buch ist in aller Munde, zwei Verfilmungen liegen bereits vor. Und obwohl ich von zwei befreundeten Leserinnen gewarnt wurde vor diesem Krimi, musste ich ihn lesen, vielleicht um mitreden zu können?
Das kann ich nun, vor allem zum Thema Medienhype.
Ein 678 Seiten starkes Buch, bei dem auf den ersten 300 Seiten so gut wie gar nichts passiert (ein bisschen Wirtschaftsjournalismus, angedeutete Wirtschaftskriminalität), dann die Suche nach einem Mörder, den es schließlich zwar gibt, aber nicht in Bezug auf das mutmaßliche Opfer.
Okay, für alle, die das Buch noch lesen wollen, sei hier nicht zu viel erzählt.
Außer, dass (mal wieder, wie häufig in jüngeren Krimis, scheint ein Modethema zu sein) Inzest und Perversion eine Rolle spielt.
Was ist sonst noch bemerkenswert an diesem langatmigen Buch? Dass die Hauptperson ein Koffeinproblem hat (fast auf jeder Seite wird Kaffee gekocht, Kaffee eingeschenkt, Kaffee getrunken, wurde Stieg Larsson von einem Kaffeeanbieter gesponsort?). Häufig wird die Sexualpartnerin gewechselt (wobei man sich stets vorbildlich freundschaftlich verbunden bleibt). Ansonsten gibt es von allem ein bisschen was, Computerhacker, familiäre Verstrickungen (nebst abgedrucktem Stammbaum, mit dem sich der Leser natürlich beschäftigt, aber schließlich für die Lösung des Falls überhaupt nicht braucht), Umgang des Gesellschaft mit jugendlichen Außenseitern.
Stieg Larsson schaffte es, mir das Gefühl zu vermitteln, dass es ganz bestimmt ab der nächsten Seite unglaublich spannend werden würde - was dann aber nicht zutraf. Und so las ich das Buch zu Ende, mit der abschließenden Gewissheit, nun wirklich meine Zeit vertan zu haben.
Die beste Werbung ist und bleibt eben die Empfehlung durch befreundete Leser.

Donnerstag, 17. November 2011

Bradley Cooper


Laut "People Magazine" ist Bradley Cooper "sexiest man alive 2011".
Meiner Meinung nach der erste amerikanische Schauspieler seit Richard Gere, der diesen Titel verdient hat.
Und französisch spricht er auch noch.
Schön und schlau! Wie sexy ist das denn!!!

Montag, 24. Oktober 2011

Schultern und Schultergürtel

ja, die spüre ich heute sehr genau, nach dem Ashtanga-Workshop.

Ein ausführlicher Einblick in die Anatomie der Schulter macht klar, was für ein Wunderwerk unser Körper doch ist. Und dass es unsere Pflicht ist, diesen "Mantel Gottes" (habe ich so von einem Prediger auf BibelTV gehört, der Begriff gefällt mir!) zu hegen und zu pflegen, wie es uns nur möglich ist.
Bewegung gehört zur Pflege eben mit dazu, denn nichts schlimmeres für ein Gelenk, als nicht oder nicht in der korrekten Ausrichtung bewegt zu werden!

Ein bisschen (das ist untertrieben) hatte ich mich schon gefürchtet, da ich kein Ashtanga-Yogi bin, doch Ron holte uns alle dort ab, wo wir in unserer Yogapraxis eben stehen, für die Ashtanga-Anfänger gabs Alternativen zu besonders anspruchsvollen Bewegungen. Denn nicht das Auspowern stand in der Praxis im Vordergrund, sondern das bewusste Erspüren der anatomischen Bewegungsmöglichkeiten, wie sie uns tags zuvor in der Theorie vermittelt worden waren.

Ein anspruchsvoller, sehr beeindruckender Workshop, der von mir jetzt noch einiges an Nachsorge verlangt (Skript für mich mit meinen Notizen erstellen, erstmal alle lateinischen Begriffe übersetzen usw.).

Und dann natürlich die neue Achtsamkeit in der Bewegung, in der Praxis umsetzen, was gelernt wurde.

Da habe ich monatelang zu tun ;))